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Leben in der Migrationsgesellschaft

Projekt I: Migration Macht Schule – Rekonstruktionen schulischer Praxis und der Kampf um Anerkennung im Kontext von Flucht und Asyl

Nach Angaben des Bundesfachverbandes für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e. V. lebten 2011 knapp 34.000 Jugendliche im schulpflichtigen Alter und mit ungesichertem Aufenthaltsstatus in der Bundesrepublik Deutschland. Weder existierte für als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge markierte Jugendliche zu diesem Zeitpunkt eine bundesweite einheitliche Regelung des Schulbesuchs noch wurde einer flächendeckenden Einrichtung entsprechender (Sprach)Förderklassen Vorschub geleistet. Während etwa in Bayern für unter 16-jährige Geflüchtete prinzipiell die Möglichkeit eines Regelschulbesuchs bestand, wurde ein (weiterführender) Schulbesuch über die geltende Schulpflicht hinaus nur selten angeboten. Sowohl allgemeinbildende Schulen als auch Berufsschulen waren nicht auf die Beschulung dieser Lernendengruppe ausgerichtet, der Staat bot kaum flexible Möglichkeiten, einen Schulabschluss zu erlangen. Der Zugang zu Bildung erwies sich damit vor allem für das Alterssegment 17 bis 25 Jahre als äußerst eingeschränkt, nicht selten standen asyl- und aufenthaltsrechtlich bezogene Restriktionen Aus- und Fortbildung im Weg.

 

Mit dem Ziel, dieser Problemlage entgegenzuwirken, wurde im Jahr 2000 von VertreterInnen der Münchner Flüchtlingsszene das Sprachschulprojekt „SchlaU“ (schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge) ins Leben gerufen. Die mittlerweile als Berufsfördereinrichtung anerkannte Institution bietet unter Bezugnahme der UN-Kinderrechtskonvention seit 2004 jungen Geflüchteten im Alter von 16 bis 25 Jahren zudem die Möglichkeit, in Kooperation mit einer staatlichen Mittelschule den Erfolgreichen Mittelschulabschluss sowie den Qualifizierenden Mittelschulabschluss zu erlangen. Im Jahr 2012 wurden insgesamt circa 200 SchülerInnen gemäß eines offenen Schulsystems analog zum offiziellen Fächerkanon der Mittelsschule unterrichtet. Inzwischen wird die Schule von rund 300 SchülerInnen besucht und auch die staatlichen Regelungen zum Schulbesucht junger Geflüchteter im Alter von 16 Jahren haben sich grundlegend verändert.

 

Das Forschungsprojekt „MIGRATION MACHT SCHULE“, dass sich als kulturwissenschaftlicher Beitrag zur interdisziplinären Schul- und Bildungsforschung in der Migrationsgesellschaft versteht, möchte durch den Perspektivenreichtum einer ethnografischen Zugangsweise am Beispiel der SchlaU-Schule das Entstehen und den Wandel eines Bildungsangebots für junge Geflüchtete nachvollziehen. Forschungsleitend wird gefragt, wie die Institution „Schule“ außerhalb des staatlichen Schulsystems im Kontext von Asyl- und Integrationsdebatten funktioniert und was das für den Akteur des Lehrenden und des Lernenden bedeutet.

 

Das Forschungsdesign des Projektes ist als empirische Schulforschung konzipiert, die konsequent die Ebenen von Makro, Meso und Mikro zueinander in Bezug setzt. Es wird mit einem ergebnisoffenen, induktiven Zugang operiert, der eine situationsanalytische Entschlüsselung des Alltagslebens der Schule anstrebt. Die hier betrachtete Schule ist zum Zeitpunkt des Forschungsbeginns als Novum der deutschen Bildungslandschaft zu verstehen, das Ausdruck eines gesellschaftlichen Transformationsprozesses im Umgang mit Flüchtlings- und Bildungsthematiken ist. Dies macht diese Studie als Zeitdokument bedeutsam und verleiht ihr gleichzeitig eine hohe aktuelle Praxisrelevanz.

 

Mit dem Vorgehen dieser Studie kann es im Speziellen geleistet werden, entgegen einer Affirmierung der sozialen Figur des unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings, der in vielen Publikationen Vorschub geleistet wird, entgegen einer „nationalen Ontologie des Sozialen“ (Hess/Moser 2009: 19) und entgegen einer kulturessentialistischen Auffassung eines „Wir“ und die „Anderen“, „geteilte, situative, thematisch wie auch strategisch variierende Aufmerksamkeiten, Zugehörigkeiten, Solidaritäten und Beheimatungen“ (ebd. 2009: 20) in ihrer diskursiven und handlungspraktischen Entstehung zu zeigen, die schulische soziale Wirklichkeiten in ihrer kaleidoskopartigen Zusammensetzung prägen – nicht auch zuletzt, um die Institution „Schule“ aus postkolonialer Perspektive mit ihren Praxen und Verantwortlichkeiten zu konfrontieren.

 

→ Durchführung: Anja Kittlitz, M.A.

→ Rahmen: Promotionsprojekt

→ Betreuung: Prof. Dr. Johannes Moser/Prof. Dr. Irene Götz – Institut für Europäische Ethnologie, Ludwig-

Maximilians-Universität München

→ Laufzeit: seit 2012

 

Projekt II: „Berufsbiografien junger Flüchtlinge“ (Arbeitstitel)

→ Durchführung: N.N.

→ Rahmen: N.N.

→ Betreuung: N.N.

→ Laufzeit: 2018 bis 2020


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