SchlaU-Werkstatt – für Migrationspädagogik Logo SchlaU-Werkstatt

Zielsetzung der SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik

Als SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik sind wir aus der täglichen Praxis der SchlaU-Schule und SchlaU Übergang Schule-Beruf entstanden. Die Organisation SchlaU, getragen vom Trägerkreis Junge Flüchtlinge e. V., bietet seit dem Jahr 2000 jungen Geflüchteten im Alter von 16 bis 25 Jahren die Möglichkeit, einen staatlich anerkannten Schulabschluss in Deutschland zu erwerben. Sie ermöglicht außerdem eine weiterführende (sozial-)pädagogische Betreuung während der Ausbildung und der weiterführenden Schulbildung.

 

Als SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik arbeiten wir in folgenden Bereichen:

 

In unserer Arbeit verstehen wir uns als „Lernende Institution“ und interdisziplinäre Denkwerkstatt, die entlang eines intersektionellen, diskriminierungskritischen Ansatzes arbeitet, der vorurteilsbewusstes und demokratiebezogenes Lernen stärken möchte. Kritische (Selbst-)Reflexion ist daher eines der wichtigsten Werkzeuge unserer täglichen Arbeit.

 

Bestehendes infrage stellen und Bildungsgerechtigkeit stärken

Mit unserer Arbeit möchten wir Reflexionsprozesse im Inneren der Gesamtorganisation von SchlaU initiieren, nachvollziehen, begleiten und diese nach außen tragen. Ebenso möchten wir gesamtgesellschaftliche und bildungspolitische Entwicklungen aufgreifen. Damit verfolgen wir das Ziel, uns unmittelbar in wissenschaftliche, politische und gesamtgesellschaftliche Diskurse einzubringen, um Bildungsgerechtigkeit zu stärken und den Zugang zu Bildung und Ausbildung für junge Geflüchtete auszubauen.

 

Unterstützen und weiterbilden

Angehenden und im Beruf stehenden Lehrkräften, SozialpädagogInnen und Ehrenamtlichen bieten wir konkrete Unterstützung durch:

 

Wissenschaft und Praxis vernetzen

In unseren Angeboten und Projekten legen wir einen besonderen Fokus auf den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis, indem wir WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen mit haupt- und ehrenamtlichen PraktikerInnen vernetzen, die am Konnex von Flucht und Bildung arbeiten. Dies geschieht über:

 

Durch die enge Verzahnung von praktisch-pädagogischer Tätigkeit und theoretisch-wissenschaftlicher Perspektive haben wir uns zum Ziel gesetzt, wissenschaftliche Theorie für die Praxis erfahrbar zu machen, Fragestellungen und Erfahrungen aus der Praxis an die Wissenschaft weiterzuleiten, um gemeinsam Antworten zu entwickeln. Hierbei werden wir durch unseren wissenschaftlichen Beirat beraten, ebenso wie durch die SchlaU-Schule und SchlaU Übergang Schule-Beruf, mit denen wir regelmäßig unsere Entwicklungsarbeit abstimmen.

 

Sich an Ressourcen und Kompetenzen orientieren

Wir legen unserer Arbeit einen kompetenz- und ressourcenorientierten Ansatz zugrunde und fokussieren auf den „Habitus der Überlebenskunst“ (Seukwa 2010, S. 65ff.), auf die subjektive Handlungsfähigkeit und das Widerstandspotenzial von Menschen mit Fluchterfahrung. In unserer Arbeit distanzieren wir uns von Viktimisierungsdiskursen, die die Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit und damit den Opferstatus geflüchteter Personen in den Fokus stellen und die Aufnahmegesellschaften als Retter inszenieren statt sie in ihrer globalpolitischen Rolle zur Verantwortung zu ziehen.

 

Migrationspädagogik als Handlungsgrundlage begreifen

Migrationspädagogik ist nicht – wie der Begriff vielleicht nahelegen könnte – ein klar definiertes pädagogisches Konzept, welches sich auf das pädagogische Wie im Umgang mit MigrantInnen im Bildungssystem und im Schulalltag beschäftigt oder etwa eine weitere Bindestrich-Pädagogik. Sie ist als pädagogische Perspektive zu verstehen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den defizitorientierten Blick der so genannten Ausländerpädagogik und den differenzorientierten Blick vieler interkultureller Ansätze umzukehren. Eine migrationspädagogische Perspektive bietet eine Möglichkeit, die (eigene) pädagogische Praxis (macht-)kritisch in den Blick zu nehmen. Dies möchten wir in unserer täglichen Arbeit konsequent umsetzen.

Weder ‚die Anderen‘ an ein bestehendes ‚Wir‘ anzugleichen noch ‚die Anderen‘ in ihrer meist kulturell argumentierten ‚Andersartigkeit‘ festzuschreiben ist Ziel einer migrationspädagogischen Perspektive, sondern das Verständnis für die Herstellung und Reproduktion der ‚Anderen‘ durch pädagogische Handlungsweisen. Mit ihrem Blick gilt es, daraus resultierende Benachteiligungen und entstehende Zugehörigkeitsordnungen sehen und verstehen zu lernen, um sie benennen und dadurch nachhaltig verändern zu können.

Entwickelt wird das ‚Projekt Migrationspädagogik‘, wie wir es im Rahmen der Werkstattarbeit aufgreifen, seit vielen Jahren von dem Erziehungswissenschaftler Paul Mecheril und weiteren KollegInnen. In ihren Studien setzen sie sich dafür ein, Bildungsbenachteiligung von MigrantInnen zu reduzieren. Im Fokus ihrer Herangehensweise steht die kritische Analyse institutioneller Strukturen, die benachteiligte Situationen hervorrufen. Der Projektstatus weist auf den besonderen Prozesscharakter hin sowie auf die beständige Transformation und Weiterentwicklung des Projekts Migrationspädagogik..

In und mit unserer täglichen Arbeit haben wir uns zum Ziel gesetzt, nach diesem Vorbild eine migrationspädagogische Perspektive zu erarbeiten und zu leben, die in der Lage ist, die Bildungssituation junger Menschen mit Fluchterfahrung nachhaltig zu verbessern.

 

Leitfragen, die uns dabei begleiten sind:

 

Wie wir arbeiten

Unsere Arbeit ist dem Werkstattgedanken folgend als fortwährende Suchbewegung zu verstehen, die über die Leitfragen hinaus folgende fünf Grundgedanken umkreist:

 

Forschen und nachfragen

In unserer Arbeit verfolgen wir aktuelle migrationspädagogische Debatten und Entwicklungen ebenso wie Fragestellungen, die aus der Praxis an uns herangetragen werden. Wir befragen unterschiedliche Zugangsweisen auf ihre Chancen und Herausforderungen, entwickeln eigenständige Zugänge und tragen so zur Weiterentwicklung des Diskurses bei.

 

Partizipieren und kooperieren

Im Fokus unserer Arbeit stehen die Teilhabemöglichkeiten junger Geflüchteter an Gesellschaft und Bildungsangeboten. Wir möchten versuchen, Partizipationsangebote zu gestalten, die tatsächlich zur Kooperation einladen und welche die machtvolle Eingebundenheit pädagogischer Praxis von Anfang an mitdenken. Ebenso möchten wir unsere Arbeit in enger Zusammenarbeit mit VertreterInnen unterschiedlicher Disziplinen gestalten, beispielsweise indem Lehrmaterialien von Lehrkräften praxiserprobt werden.

 

Reflektieren und hinterfragen

Reflexion der eigenen Praxis als Bestandteil professionellen Handelns meint, sich mit den Auswirkungen des eigenen Tuns auseinanderzusetzen und es mit Blick auf herrschende, wirkende Machtverhältnisse kritisch zu hinterfragen. Wie können Rollenmuster konsequent reflektiert werden und welche Konsequenzen ergeben sich für das eigene Handeln?

 

Differenz thematisieren und leben

Pädagogisches Handeln im Kontext von Migration ist meist geprägt durch den Anspruch der Mehrheitsgesellschaft, ‚die Anderen‘ zu integrieren oder anzugleichen. Der oder die ‚Andere‘ werden als Voraussetzung gedacht, deren Verschiedenheit es ‚zu behandeln‘ gilt. Dagegen stellt sich aus migrationspädagogischer Perspektive die Frage: Wie wird eine Person (durch pädagogisches Handeln) zum ‚Anderen‘ gemacht? Wie kann gleichzeitig Verschiedenheit thematisiert werden, ohne sich in der Einbahnstraße kulturell argumentierter Homogenisierung zu verlieren? Wie kann sie Teil einer gesellschaftlichen Normalität werden?

 

Bewegen und verändern

Migrationspädagogisch definierte Praxis will die bestehende pädagogische Landschaft verändern und soziokulturelle wie auch institutionelle Strukturen in Bewegung versetzen. Migrationspädagogische Arbeit im Kontext von Fluchtmigration heißt für uns vor allem eine aktive Beteiligung am Abbau von Zugangsbarrieren für Menschen mit Fluchtbiografien.

Die Erkenntnisse und Veränderungsprozesse, die aus dieser Arbeit resultieren, sind jedoch weiter gefasst zu verstehen: Migrationspädagogische Forderungen sind gesamtgesellschaftliche Forderungen.


Literatur, auf die für diesen Text Bezug genommen wurde:

Mecheril, Paul et. al. (Hg.) (2010): Migrationspädagogik, Weinheim/Basel.

Seukwa, Louis Henri (2010): Kompetenz im Flüchtlingsraum: Der Habitus der Überlebenskunst. In: Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (Hg.): Betreuung von Unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge. Dokumentation der Fachtagung in Hofgeismar 2010, S. 50-69.


Unser Ziel ist es, mehr Bildungsgerechtigkeit für junge geflüchtete Personen zu schaffen und Zugangsbarrieren abzubauen.